Der Homöopathie-Arzt

Grundlagen der Homöopathie

Stein geschliffen

Die Homöopathie ist eine Heilkunst, die nach dem Prinzip der Ähnlichkeit mit potenzierten Heilmitteln die Lebenskraft zur Heilung anregt.

Die Lebenskraft

Mit der Lebenskraft bezeichnet man in der Homöopathie die Kraft, die im Organismus Leben bewirkt, unterhält und reguliert. Sie ist geistiger Natur.

Gesundheit ermöglicht dem Individuum seine Entfaltung in Wechselwirkung mit dem Umfeld.

Die Krankheit wird als Störung der Lebenskraft betrachtet. Symptome sind lediglich Ausdruck dieser Störung.

Heilung ist ein Prozess, bei dem sich das Individuum in seiner Gesamtheit von der Krankheit Richtung Gesundheit entwickelt.

Das Ähnlichkeitsprinzip

Das Ähnlichkeitsprinzip in der Homöopathie stellt fest, dass eine Krankheit durch dasjenige Heilmittel geheilt wird, dessen Arzneimittelbild dem Erscheinungsbild des Kranken am ähnlichsten ist.

Ähnlichkeit bezeichnet die Übereinstimmung im Wesentlichen. Dieses wird im Bild der Gesamtheit der charakteristischen Zeichen gefunden.

Charakteristische Zeichen sind Ausdruck der Art und Weise, wie sich ein Organismus individuell mit seinem Umfeld und der Krankheit auseinander- setzt. Das Arzneimittelbild wie das Erscheinungsbild des Kranken veranschaulichen das den äußeren Erscheinungsformen zu Grunde liegende Wesen.

Potenzierte Heilmittel werden aus Substanzen hergestellt, die einem Prozess von Verreiben / Verschütteln und Verdünnen unterzogen werden. Sie verlieren dadurch an physikalisch-chemischer Substanzwirkung und gewinnen an Wirkung auf die Lebenskraft.

Erläuterungen und Definitionen

Die Grundlagen der Homöopathie" möchten die Prinzipien der Homöopathie in einer möglichst knappen und präzisen Formulierung darlegen. Sie können daher nur mit den nachfolgenden Erläuterungen verstanden werden. Eine fruchtbare Diskussion bedingt eine gemeinsame Sprache, die sich eindeutiger Begriffe bedient. Nachfolgend werden einige grundlegende Begriffe erläutert und eingegrenzt. Die Kenntnisnahme dieser Definitionen ist Voraussetzung für das Verständnis des vorangehenden Textes. In der Homöopathie ist das bildhafte Erkennen des Kranken und des Arzneimittels Voraussetzung für die Therapie. Sowohl das Erkennen eines Bildes, als auch das Aufsuchen einer Ähnlichkeit stützt sich überwiegend auf das intuitive Denken. Im Gegensatz dazu sucht die Schulmedizin nach kausalen Zusammenhängen zwischen anatomisch - physiologisch fassbaren Zuständen und einer chemisch – physikalischen Therapie. Das Schwergewicht liegt hier im diskursiven Denken. Der wesentliche Unterschied beider Heilkünste kann somit in der Gewichtung der Erkenntnisverfahren, der Methodik des Denkens gesehen werden. Diesen Begriffen wurde deshalb besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Geist

Für das Verständnis der Homöopathie und vor allem im Vergleich zur Schulmedizin muss heute ausdrücklich auf den geistigen Aspekt der Grundlage der Homöopathie hingewiesen werden. Geist sprachlich zu fassen und zu definieren bereitet aber grosse Mühe. Die Schwierigkeit bei Aussagen über das Geistige besteht darin, dass es sich jeder Vorstellung und Begrifflichkeit entzieht, so dass gerne auf negative Definitionen ausgewichen wird wie immaterielles Prinzip, nicht manifestiertes Sein usw. Darüber hinaus hat in diesem Bereich vor allem seit der Aufklärung eine Begriffsverschiebung stattgefunden, die den ursprünglichen Inhalt des Geistigen nicht mehr zum Ausdruck zu bringen vermag, oder sogar zu Schimpfwörtern geführt hat (z.B. esoterisch, transzendental, intuitiv). Die hier verwendeten Begriffe "Geist", "geistig" und "Geisteswissenschaft" beziehen sich auf eine Wirklichkeit, die wahrnehmbar aber nicht begreifbar oder messbar ist. Sie folgt eigenen Gesetzen, die den naturwissenschaftlichen übergeordnet sind. Sie ist Grundlage jeder Manifestation und Voraussetzung für das Verständnis von Leben, Krankheit und Heilung.

Denken

Denken wird als Tätigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet um Sinnzusammenhänge zu erfassen und herzustellen. Es kann in zwei verschiedene Vorgänge gegliedert werden, auch wenn sich der eine ohne den anderen nicht entwickeln kann:
- Das diskursive Denken bewegt sich entlang von Begriffen (begriffliches Denken). Es ordnet und sucht kausale Zusammenhänge (kausal - analytisches Denken). Dies bedingt ein Gegenüberstehen zum Objekt (abstraktes Denken) und bleibt dadurch bewusst und kontrolliert (rationales Denken).
- Das intuitive Denken hingegen erfasst unmittelbar aus innerer Anschauung (bildhaftes Denken) und ist unbewusst (eigentlich vorbewusst). Insofern es der Vernunft nicht zugänglich ist, kann es auch als irrationales Denken bezeichnet werden. Das intuitive Denken erfasst geistige Inhalte; es bedingt vom Menschen ein Sich- Einlassen und Verbinden mit diesen.
Diese theoretische Unterscheidung im Denken darf keineswegs zu einer Polarisierung führen, ergibt sich doch jeder wissenschaftliche Fortschritt immer aus dem Zusammenwirken beider Denkvorgänge, auch wenn der Mensch sich dessen oft nicht bewusst ist. Ein noch so verfeinertes diskursives Denken wird allein nie einen geistigen Inhalt begreifen können, so wenig wie das intuitive Denken je kausale Zusammenhänge auffinden wird.

Wissenschaft

Jede Wissenschaft umfasst ihr eigenes, definiertes Erkenntnisverfahren, das systematische Erforschen, sowie die Gesamtheit des dabei erreichten Wissens.
Die unterschiedliche Gewichtung des Erkenntnisweges hat schon früh in der Philosophiegeschichte zu einer Gliederung in eine Naturwissenschaft, die sich vorwiegend auf das diskursive Denken stützt und folglich Wissen über Materie, Begriffe und kausale Zusammenhänge erlangt und in eine Geisteswissenschaft, die mehr auf intuitivem Erkenntnisverfahren ihr Wissen in Bilder schafft, geführt. Der wesentliche Unterschied zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft liegt( lag ursprünglich) weniger in den Phänomenen, mit denen sie sich auseinandersetzen, als vielmehr in der Methodik, mit der beide Wissenschaften zur Erkenntnis gelangen.
Man vergegenwärtige sich, dass die heute übliche Unterscheidung von Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft sich im allgemeinen nur auf die Wissensgebiete beschränkt, mit denen sich diese auseinander setzen: So befasse sich die Naturwissenschaft (nach Schweizer Lexikon) mit den Vorgängen und Gebilden der belebten und unbelebten Natur, während die Geisteswissenschaft das geistige Leben und seine Werke zum Gegenstande habe. Diese heute gängige Definition unterscheidet aber nicht im Erkenntnisverfahren; sie geht davon aus, dass beide Wissenschaften gleich vorgehen, nämlich naturwissenschaftlich. Damit steht der ursprüngliche Inhalt des Begriffes Geisteswissenschaft der Sprache nicht mehr zur Verfügung. Und die Naturwissenschaft wurde zur einzigen Wissenschaft, zur Wissenschaft schlechthin. In diesem Umfeld der Inexistenz des Geistes (sui generis)fehlen wissenschaftliche Grundlagen, um über Homöopathie diskutieren zu können.
Ursprünglich bezeichnete Wissen nur "das Gefundene", "Erkannte", "Erblickte". Dass der Erkenntnisweg des diskursiven Denkens der einzig gültige Weg zu Wissen oder zumindest dem intuitiven übergeordnet sei, entspricht dem heutigen Zeitgeist nicht aber dem menschlichen Denken.
Erfahrungen im intuitiven Denken und damit auch das Erfassen des intuitiven Denkens selber verlangt vom Menschen ein aktives sich Einlassen. Damit stehen intuitive Erkenntnisse diametral den schulmedizinischen Grundlagen gegenüber, welche gerade eine grösst mögliche Distanz zum Objekt verlangen.

Schulmedizin

Als Schulmedizin bezeichnen wir die Medizin, wie sie heute an den Universitäten erforscht und gelehrt wird. Mit ihren naturwissenschaftlichen Grundlagen stützt sie sich vorwiegend auf den diskursiven Erkenntnisweg und kann daher keine Aussage über geistige Aspekte wie zum Beispiel über das Leben machen. Insofern diese Medizin durchaus einer Ergänzung bedarf, ist der Begriff der komplementären Medizin – sofern er sich auf den Erkenntnisweg bezieht und damit nicht nur das naturwissenschaftlich Noch-nicht-erklärbare bezeichnet – ein klarer und brauchbarer Begriff.
Die Forderung nach einer Medizin, die sich allein geisteswissenschaftlich (im oben dargelegten Sinne) orientiert, würde aber einen Rückschritt und ein Verhaften in der Dualität von Geist – Materie bedeuten. Als Fortschritt kann heute nur eine geisteswissenschaftliche Erweiterung der Medizin angestrebt werden, die intuitiv erfahrene Wahrnehmungen und Erkenntnisse über die Materie einschliesst.

Ähnlichkeit

Die Beziehung zwischen dem Kranken und seinem Heilmittel wird in der Homöopathie durch die Ähnlichkeit bestimmt.
Ähnlichkeit wird definiert als im Wesen übereinstimmend. Das Wesen ist das einer Erscheinung zugrunde Liegende. Da es rein geistiger Natur ist, kann es nur intuitiv erfasst werden: als Bild. Ähnlichkeit findet der Mensch in der Gegenüberstellung von Bild und Gegenbild, in der Homöopathie vom Bild des Patienten und dem Arzneimittelbild. Naturwissenschaftlich ist eine Ähnlichkeit nicht fassbar, denn als Kriterien der Übereinstimmung gelten hier “gleich“ oder “nicht gleich“.
Das Bild ist der Versuch des Betrachters, sich selber das Wesentliche verständlich zu machen. Es muss deutlich vom Abbild unterschieden werden, das in seiner konkreten Form nur Anregung für das eigentliche Bild sein kann. Anderseits kann nur ein Abbild festgehalten und kommuniziert werden.

Lebenskraft

Als Lebenskraft wird in der Homöopathie die den physischen Körper belebende Kraft bezeichnet. Sie bringt Eigenheiten der Individualität und auch Krankheitssymptome zur Erscheinung. Sie ist geistiger Natur. Somit ist die Lebenskraft wie das Phänomen Leben überhaupt diskursiv nicht fassbar; sie entziehen sich in diesem Denken jeder Definition wie auch jeder Versuchsanordnung. Trotzdem wird kein vernünftiger Mensch daraus folgern wollen, das Leben sei inexistent. Die Anerkennung einer Lebenskraft bedingt ein Menschenbild, das Körper und Geist als Realität wahrnimmt.

Potenzierte Heilmittel

Bei der Herstellung potenzierter Heilmittel wird durch den Verdünnungs- und Verschüttelunsvorgang die Ursubstanz vermindert und letztlich ausgeschieden; eine weitere Substanzwirkung durch physikalisch-chemische Kräfte auf die Lebenskraft kann nur mit spekulativen Theorien erklärt werden. Die Wirkung potenzierter Heilmittel muss folglich auf der Geistesebene gesucht und untersucht werden.

Februar 2006 AG Zukunft: Evelyn Cambridge - Christoph Frehner - Birgit Kuster - Ingo Schneider - Pierre Strub - Martin Zingg

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